Dies ist der Versuch einer Rosenmontagskolumne. Motto: Fußball wider den tierischen Ernst.
Wer meint, rauer Ton und hässliche Auseinandersetzung seien Errungenschaften unserer Tage, möge sich an Hennes Weisweiler erinnern. Der Altmeister unter den Fußballtrainern, der Mönchengladbach und die Kölner „Geißböcke“ zu Meistern machte und das Ensemble von Cosmos New York mit „Kaiser“ Franz und Pelé dirigierte, pflegte schon Anfang der 1970er Jahre einen rüden Umgangston – speziell mit seinem Superstar. „Abseits ist, wenn dat lange Arschloch zu spät abspielt“, erklärte er diese ewig strittige Regel, die längst ein Fall für Hightech und VAR geworden ist.
Mit dem Arschloch war Gladbachs Kultfigur Günter Netzer gemeint. Doch lang waren höchstens die Haare des legendären „Zehners“, der ansonsten nur 1,78 Meter misst.
In gläsernen Zeiten der Mikrofone und Kameras ist auch der Verhaltenskodex im Stadion längst streng geregelt. Selbst beleidigende Äußerungen gegen die eigenen Leute sind strafbar.
Apropos Strafe: Kennen Sie den Erfinder der Gelben und Roten Karte?
Alles begann mit Rudi Kreitlein. Bei der WM 1966 wagte es der nur 1,65 Meter große Schiedsrichter aus Stuttgart, der im richtigen Leben Schneidermeister war, das argentinische 1,91-Meter-Gerät Antonio Rattin vom Platz zu stellen. Doch die Ratte (so sein Spitzname) tat, als verstünde er nur Bahnhof, obwohl Kreitlein sein bestes Englisch auspackte: „For you is now end here, my friend!“
Schließlich waren zwei englische Polizisten nötig, um den Sünder vom Feld zu holen.
Kreitlein, fortan das „tapfere Schneiderlein“ genannt, und Fifa-Schiedsrichterbeobachter Aston waren sich danach einig: Es braucht unmissverständliche Symbole, um Platzverweise auszusprechen. Als Aston tags darauf durch London fuhr und vor einer Ampel halten musste, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Gelb für Verwarnung, Rot für ganz raus.
Die allererste Rote Karte im Weltfußball kassierte übrigens kein Spieler, sondern der Masseur der Nationalelf. Grund: Erich Deuser lief bei der WM 1970 gegen Peru auf den Platz, obwohl das Spiel noch nicht unterbrochen war.
Solche und viele andere Details stehen im soeben erschienen Büchlein „Unnützes Wissen über Sport“ von Jürgen Gießing, erschienen im Limpert-Verlag. Für den Fall, dass sich jemand weiterbilden möchte.
Bundesliga-Rekordhalter in Sachen Gelbe Karten ist – unschwer zu erraten – Stefan Effenberg. Der ehemalige Bayern-Impressario definierte sich nicht nur über seine große Klappe, sondern auch über die Rüpeleien, mit denen er sein Revier auf dem Platz markierte. Das brachte ihm 114 Verwarnungen ein.
Damit sind wir bei der modernen Datenerfassung angelangt. Die weist brandaktuell Joshua Kimmich mit 271,4 km in 22 Partien als lauffreudigsten Kicker der Bundesliga aus. Die Erklärung könnte sein, dass der Münchner Ehrgeizling sämtliche Ecken treten will – sowohl von links als auch von rechts.
Übrigens: Nicht nur das Wetter spielt verrückt, oft auch der Fußball. Beim torlosen Bundesliga-Gipfel in Leverkusen schossen die Bayern kürzlich ganze zweimal aufs Tor von Bayer. Das ist ihr niedrigster Wert seit Beginn dieser Aufzeichnungen. Und alles andere als ein Mutmacher fürs deutsch-deutsche Achtelfinale der Champions League, das am Aschermittwoch beginnt.
Dann ist bekanntlich alles vorbei. Und es wird wieder richtig ernst.