Wer macht den Unterschied?

Die Medien mögen es, bei einem Fußball-Duell David gegen Goliath den Kaderwert der Kontrahenten zu vergleichen. Der ergibt sich aus der Addition des Marktwertes eines jeden Profis.

Als sich die Bayern kürzlich gegen Bochum blamierten, hieß es dann nicht nur 2:3 nach Toren, sondern: 1,01 Milliarden Euro verlieren gegen 73,99 Millionen.

Und alle kringeln sich vor Lachen.

Natürlich schießt Geld Tore, weil Qualität Tore schießt – und Qualität Geld kostet. Das hat längst der Letzte begriffen. Trotzdem stellt sich die Frage: Wer oder was löst den Erfolg aus?

Ist es der Kader samt seiner Qualität? Oder sind es Macher wie Bayern-Patron Hoeneß, Leverkusen-CEO Fernando Carro oder Markus Krösche in Frankfurt?

Sind es echte Spielertypen? Einer wie Thomas Müller, von dem Jogi Löw sagt: „Mit ihm hat die Kabine eine andere Temperatur.“
Oder ist es doch der Trainer, der am Ende der Nahrungskette den Unterschied macht? Jeder, der jetzt Luft holt für ein inbrünstiges „Jaaaa“ sei mit dem Hinweis konfrontiert: Es gibt grundverschiedene Trainertypen. Das provoziert die Gretchenfrage: Welcher ist der passende?

Klar scheint nur: Die Zeit der Schleifer ist vorbei – Felix Magath gilt als Auslaufmodell, das keiner mehr will.
Was aber nicht heißt, dass die Alten nichts mehr zu melden haben. Wer hätte gedacht, dass Polizist Dieter Hecking mit 60 Jahren dem totgesagten VfL Bochum die zweite Luft einhaucht?

In Heidenheim herrscht mit Frank Schmidt ein Autokrat – allerdings ein rechtschaffener, anders als so mancher Staatschef. Auch Nico Kovac ist ein harter Hund, doch der ausgebuffte Kroate beißt in Dortmund auf Granit. Ganz so einfach ist es halt nicht.

Deshalb schwören viele auf die neue Generation der Laptop-Trainer. Ausgestattet mit Tablet und Taktiktafel, sezieren diese Fußballwissenschaftler das Spiel bis ins kleinste Detail. Und der Laie wundert sich, warum eine abkippende Sechs nicht umkippt oder eine falsche Neun kein Betrüger sein muss.

Dass es auch anders geht, hat das Kehler Torwart-Denkmal Gerhard Zeeb bewiesen. Als er vor 40 Jahren als Trainer des Dorfvereins TuS Legelshurst mit einem Bandscheibenvorfall im Bett lag, begann er, seine Trainingspläne aufzuzeichnen. Daraus entstand das Buch „Fußball-Training“ (Limpert-Verlag, 288 Seiten, neunte Auflage). Über 30.000 verkaufte Exemplare machen seine Expertise zum Evergreen.

Auf dem Trainermarkt zeichnet sich ab, dass die Empathie des Übungsleiters das Zünglein an der Waage sein könnte. Vincent Kompany, im Sommer bei Bayern nur siebte oder achte Wahl, erntet wahre Lobeshymnen. „Er achtet extrem auf gelebte Harmonie und hat was von einem gereiften Heynckes“, meinte der als Querkopf von der Ostalb bekannte Alexander Zorniger im „DoPa“.

Das heißeste Eisen aber ist der Bundestrainer. Julian Nagelsmann gilt als hip und kommt gelegentlich mit dem Longboard zum Training. Und er spielt nicht nur perfekt auf der Klaviatur der Taktik, sondern auch mit den Medien. Bei der Nationalelf hat er das Leistungsprinzip reanimiert und damit einen dermaßen frischen Wind entfacht, dass der DFB entstaubt wurde.

Regelrecht rührend ist seine generationsübergreifende Beziehung zum 27 Jahre älteren Sportdirektor Rudi Völler. Erst verlängerte Nagelsmann seinetwegen, jetzt will auch „Ruuuudi“ weitermachen: „Weil Julian mir ans Herz gewachsen ist.“

Es geht wohl doch um mehr als die Taktiktafel und ballferne Räume.

 

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