Nachdem die Bayern mit Bayer zumindest in dieser Saison die Fronten ein für alle Mal geklärt haben, können wir uns anderen Baustellen der Bundesliga zuwenden.
Etwa der Frage: Was ist ein Sauhaufen?
Fritzchen würde jetzt spontan strecken und rufen: „Herr Lehrer, der BVB ...!“
Wenn’s nur so einfach wäre. Der Duden versteht unter Sauhaufen eine Gruppe von Menschen, die einen ungeordneten Eindruck macht. Das ist nobel formuliert.
In Dortmund sind die Töne angesichts der schwindelerregenden Formschwankungen längst rauer geworden. Nach elf Niederlagen in der Bundesliga brennt der Borsig-Platz. Und die Foren im Netz qualmen. Julian Brandt steckt im Leistungsloch und hängt angeblich (zu) viel mit Niklas Süle ab. Süle ist Spitzenverdiener, taugt aber nicht wirklich dazu. Serhou Guirassy redet (zu) wenig, und Marcel Sabitzer, seit Monaten außer Form, soll ein Stinkstiefel sein.
Von pfui zu hui
Das klingt nach einer toxischen Gruppe, die sich selbst im Weg steht. Doch die Borussia steht im Viertelfinale der Champions League. Was für ein Widerspruch zum 0:1 gegen Augsburg vier Tage zuvor und zum 0:2 in Leipzig. „Das zeigt, dass diese Mannschaft auch was kann“, lautete die kleinlaute Reaktion von Sportdirektor Kehl.
Was ist bloß los? Warum wechselt Dortmund dauernd von gelb zu schwarz, von pfui zu hui? „Bild“-Kommentator Michael Makus führt sich vom BVB gar hinters Licht geführt: „In der Bundesliga ausgelacht, in Europa bejubelt.“ Das war übrigens schon in der letzten Saison so.
Die Bosse „Aki“ Watzke und Lars Ricken samt ihrem Berater Sammer wirken auf der Tribüne längst wie die drei Affen aus dem japanischen Sprichwort, die nichts Böses sehen, nichts Böses hören und nichts Böses sagen.
Die Wahrheit ist: Sie können es nicht mehr ertragen.
Die Borussia also doch ein Sauhaufen? Für dieses Prädikat gibt’s noch eine Reihe anderer Kandidaten. ManCity etwa, wobei der Niedergang auch eine Frage der Materialermüdung ist: Weltfußballer Rodri langfristig verletzt, de Bruyne oft außer Gefecht.
Dresche für die Ampel
Oder nehmen wir den HSV: Sechs Aufstiege hat der ehemalige Bundesliga-Dino seit dem Abstieg 2018 verpasst. Unvergessen ist die gespreizte Jubelpose von Trainer-Maulheld Tim Walter in Sandhausen, ehe Tim Kleindienst den 1. FC Heidenheim in Regensburg in der 99. Minute vorbei an den Hamburgern in die Bundesliga schoss.
Krass toxisch war die Ampel-Regierung in unserem Land. Sie kostete FDP-Chef Christian Lindner zumindest vorläufig seine politische Karriere. Und war längst nicht nur einem Macher wie Uli Hoeneß ein Dorn im Auge: „Die haben doch drei Jahre lang nur gestritten und nichts vorangebracht“, wetterte der Bayern-Patron kürzlich bei „Maischberger“.
Auf keinen Fall eine toxische Gruppe, aber womöglich ein Sauhaufen waren die 84er-Amateurmeister-Helden des Offenburger FV im Herbst 1983. Das schillerndste Ensemble, das an der Badstraße jemals gegen den Ball trat, war eine für die Oberliga überqualifizierte Ansammlung großer Namen ohne Hierarchie, die in fünf Wochen drei Trainer verschliss.
Auf einen Schlag anders wurde alles erst dann, als „Kalla“ Bente zur Tür hereinkam und den Teamchef gab. Er war eine Lichtgestalt. Wie der „Kaiser“ persönlich.
Doch was Dortmund betrifft, wird man das Gefühl nicht los: Dort könnten Franz Beckenbauer und Johan Cruyff gleichzeitig die Kabine betreten – und dann würde der Strom ausfallen.
Beim BVB weiß man nie.