Trump und das Turnen

Was wir neuerdings vom Oval Office im Weißen Haus und im amerikanischen Kongress geboten bekommen, ist nicht nur inhaltlich, sondern vor allem auf der menschlichen Ebene infam, unappetitlich und ekelhaft. „Ruchlos“, nennt es Annalena Baerbock.

Als Trump und sein Vize Vance den ukrainischen Präsidenten Selenskij primitiv provozierten, bis ihm der Gaul durchging, schaltete unsere Noch-Außenministerin zwischenzeitlich den Fernseher ab. Nicht weil sie das bald nichts mehr angeht, nein, sie konnte es nicht ertragen.

Verlässlichkeit und Werte gehen gerade auf höchster Ebene mit einer Geschwindigkeit über den Jordan, dass einem schwindlig wird.

Angesichts dessen verpuffen die alltäglichen Aufreger aus dem Fußball zu Nichtigkeiten mit seichtem Unterhaltungswert. Dabei stellen die Altvorderen des FC Bayern ihr Talent als Troublemaker immer wieder neu unter Beweis.

Nachdem Vereinspatron Uli Hoeneß schon seit Wochen laut und ohne zu schnarchen von Florian Wirtz im Bayern-Trikot träumt, ging Kalle Rummenigge noch viel weiter: „Es muss ganz klar unser Ziel sein, ihn zu verpflichten. Er ist für mich der beste Spieler Deutschlands.“

Das kann man mit Fug und Recht so sehen. Wirtz-Entdecker Peter Bosz, unter dem der Hochbegabte vor fünf Jahren bei Leverkusen seine ersten Gehversuche in der Bundesliga unternahm, greift ins allerhöchste Regal: „Flo wird eines Tages der beste Spieler der Welt sein.“

Auf der anderen Seite gibt es Jamal Musiala, den zweiten genialen Ballzauberer dieses Landes. Den haben die Münchner gerade mit einem Monstervertrag über ein Volumen von 175 Millionen Euro ausgestattet, der bis 2030 läuft. „Zu sagen, dass so einer nicht der beste Spieler Deutschland ist, das ist schon ein Schlag ins Gesicht von Musiala“, gibt TV-Experte Matthäus zu bedenken.

Deeskalierend lässt sich folgendes feststellen: Noch letztes Jahr hat Wirtz seinen Vater, der auch sein Berater ist, gefragt: „Würde ich beim FC Bayern überhaupt spielen?“ Und brandaktuell haben die Münchner ihrem Herausforderer Leverkusen in der Champions League mit 3:0 das Fell über die Ohren gezogen. Wirtz ging dabei mit dem gesamten Bayer-Team unter, während Musiala mit einem Hacke-Kunststück zum Zungeschnalzen Rummenigge seine Antwort servierte.

Die vorläufige Moral von der Geschicht’: Die Bayern stehen mit anderthalb Beinen im Viertelfinale, auch wenn sich Torwart-Denkmal Neuer selbst einen Muskelfaserriss untergejubelt hat. Zumal Leverkusen das Rückspiel ohne Wirtz bestreiten muss, der am Samstag in der Bundesliga zusammengetreten wurde. Fußball kann gnadenlos sein.

Aber nicht so schlimm wie das Turnen. Zumindest, was psychische Gewalt betrifft. Trotz so harter Hunde wie Magath oder Werner Lorant ist König Fußball von diesem Phänomen nur zu fünf Prozent betroffen – die Turnerinnen dagegen beschwören nach vielen erst mit erheblicher Verzögerung bekannt gewordenen Missbrauchsfällen den Kulturwandel.

„Unter Druck entstehen Diamanten – dieser Glaubenssatz steckt im Turnen drin“, weiß die Psychologin Jeannine Ohlert. Die üblen Folgen, die schon im Kindesalter beginnen, sind Essstörungen, Demütigung und Bedrohung.

Unter üblen Druck geraten dieser Tage auch zigtausende Mitarbeiter des amerikanischen Regierungsapparates, weil Elon Musk mit Stellenkürzungen begonnen hat, die Einsparungen sein sollen, aber viel eher ein Ausmisten Andersdenkender sind. Der Kettenhund von Donald Trump ist besonders ruchlos.


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