Der Traum vom Triple platzte für den FC Bayern wie eine Seifenblase. Fast undramatisch. Übrig bleiben das Spektakel von Paris sowie Schiedsrichterthemen um die unsägliche Handspielregel. Und die Erkenntnis, dass es in Europa doch einen Besseren gibt.
Lange war PSG ein sündhaft teures Starensemble, aber keine Mannschaft und dementsprechend leichte und fette Beute auf dem internationalen Parkett. Jetzt ist alles anders. Selbst die Bayern mussten das einsehen. Am Ende gab es kein Bohei, sondern Time to say goodbye.
Das gilt auch für Deniz Aytekin. In seinem Fall stellt sich die Frage: Ist es möglich, dass man einem Schiedsrichter eine Träne nachweint? Antwort: unbedingt!
Der Franke mit türkischen Wurzeln gilt seit Jahren als Schiedsrichter der Herzen. Dabei hat er eine Wandlung vom Saulus zum Paulus hinter sich. Zu Beginn seiner Karriere an der Pfeife verwechselte er Stärke mit Härte. "Ich hatte ein viel zu großes Ego und habe Menschen verloren", gab er kürzlich im ZDF-Sportstudio zu.
Dann ließ er sich dazu raten, die Augenbrauen hochzunehmen, um den von Natur aus bösen Blick zu mildern. Aus dem schlechtesten Pfeifenmann der Saison 2010/11 wurde ein dreimaliger Schiri des Jahres. Einer, der ein Spiel befrieden kann.
"Ein großartiger Kommunikator", lobt Branchenikone Markus Merk. Was zum Wandel beitrug, war die akribische Arbeit mit Emotionsforschern. Aytekin lernte, in Millisekunden die sieben Basisemotionen aus einem Gesicht abzulesen. Daraus leitete er etwa das Schuldbewusstsein eines Spielers ab. "Manchmal", sagt er, "hilft das auch bei meiner Frau."
Während sich Aytekin dem Zahn der Zeit beugt, ringt der 1. FC Heidenheim einem anderen Verfallsdatum. Auf der Ostalb steht ein Fußballmärchen auf der Kippe. Drei Jahre hat der Kleinstadtklub die Bundesligabühne bereichert und bis zum Schluss das getan, was der DNA seines Trainer-Urviehs Frank Schmidt entspricht: im Angesicht der Aussichtslosigkeit eine Aufholjagd gestartet.
Was auf jeden Fall bleibt, sind Heidenheim-Momente: Aufgestiegen in Minute 90+9. Seither trägt der Zeugwart den Spielzug zum entscheidenden Tor von Kleindienst als Tattoo auf seiner Wade. Der ultimative Höhepunkt war, dass der FC Chelsea in der Conference League auf den Schlossberg musste. Die Fans glänzten mit einer Choreo: Schmidt in Überlebensgröße – mit der Aufschrift: "God save the King".
Während Chelsea mit einem 2:0 die Verhältnismäßigkeit einigermaßen wahrte, gerieten die verwirrten Tuchel-Bayern am 6. April 2024 mit 2:3 unter die Räder.
Ohne Heidenheim wäre die Bundesliga um ein Rührstück ärmer. Was Albert Riera von sich nicht behaupten kann. Der Mallorquiner ist in Frankfurt auf dem besten Weg, hinter Leverkusens Zwei-Spiele-Coach ten Hag der zweitgrößte Irrtum der Saison zu werden.
"Wenn ich es sage, springen meine Spieler vom Balkon", behauptete Riera bei seiner Vorstellung. "Nicht mal vom Ein-Meter-Brett", höhnt die "Frankfurter Rundschau" inzwischen.
Nach seinem über Dritte ausgetragenen Streit mit Torjäger Burkardt um dessen Körperfettwerte lief die Pressekonferenz aus dem Ruder. Riera legte einen Aggro-Auftritt hin. Als der Verein ihn bat, entspannter mit Reportern umzugehen, entgegnete er: "I don't need a Babysitter!
Weil selbst die Punkte fehlen, ist es Zeit für die Reißleine. Der Bursche hat eine Umdrehung zu viel. Da braucht's keinen Emotionsforscher à la Aytekin.