Seichtes Gewässer

Mit einer drei Abende umfassenden Exklusivwoche ist die Champions League in ihre nächste Mammutsaison gestartet. Für drei der vier deutschen Klubs war's ein Einstieg in seichtes Gewässer. Nur RB Leipzig ging in Como am schönsten See Europas mit 1:4 baden.

Vor uns liegen noch 173 Spiele auf der Straße nach Madrid, wo am 4. Juni im neuen Atlético-Stadion das Finale steigt. Was dem Fernsehsportler eine gewaltige Grundlagenausdauer abverlangt. Denn in der Glotze fehlt es an Aha-Effekten. Fast alles blieb beim Alten: die Sender, die Formate – und die Nasen an den Analysetischen.

Mit Ausnahme zweier spektakulärer Transfers. Allzweckwaffe Laura Wontorra, seit Mittwoch für die beste Sportsendung der Fußball-WM (bei Magenta) mit dem Deutschen Fernsehpreis dekoriert, wechselt im Alltag von DAZN zum neuen Branchenriesen RTL/Sky. Und Rio-Weltmeister Samy Khedira hat den Salto rückwärts geschafft vom DAZN-Analysten zu Real Madrid als Co-Trainer von José Mourinho. Beide Abgänge fängt der Streamingdienst im Kollektiv auf.

Der europäische Dienstag gehört nach wie vor Amazon Prime, wo das WM-gestählte Trio Mats Hummels, Chris Kramer und Tabea Kemme das Dortmunder 3:2 gegen Villarreal mit Routine und Regenresilienz über die Zeit brachte. Unter anderem mit der Frage: Wer ist beim BVB eigentlich noch Weltklasse?

Kramer vermied die Antwort "keiner" und sagte stattdessen: "Schlotterbeck am ehesten". Nmecha und Karetsas sieht er wenigstens auf dem Weg dorthin. Beim neuen Griechen zeigten die Experten viel Empathie. "Mir läuft's eiskalt den Rücken runter", kommentierte Hummels den Zusammenbruch des 18-Jährigen, der mit rätselhaften Kreislaufproblemen ins Krankenhaus musste.

DAZN startete seine Doppelschicht am Mittwoch in Stuttgart beim 3:1 gegen Stavanger mit dem B-Team: Moderator Marco Hagemann, in vielen RTL-Jahren ausgelutscht, plus Frischling Nils Petersen, der sich hochdienen muss. Beide quasselten zu viel. Petersen konnte immerhin mit seiner Nähe zum Dreifachtorschützen Demirovic glänzen, den er aus Freiburger Zeiten kennt.

Als der FC Bayern die norwegische Wundertüte Bodø/Glimt spät, aber erwartungsgemäß mit 5:0 ausknockte, übernahm Michael Ballack. Der meinungsstarke Chemnitzer ging verbal auch dahin, wo es wehtut. "Man darf ihn nicht in Watte packen", mahnte er beim Thema Musiala, dessen Führungstor nach seinen beiden Zusammenbrüchen mit epileptischem Hintergrund der Nation ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

Den schwersten Job des Abends hatte Jochen Stutzky. Der Fieldreporter befragte Michael Olise, der als "Man of the Match" zu diesem Interview verpflichtet war. Doch der extrem öffentlichkeitsscheue Franzose blieb eisern dabei, seine Kunstschüsse zum 4:0 und 5:0 für sich sprechen zu lassen.

Frage: Wie fühlt es sich an?"

Olise: "Ich weiß es nicht."

Nachfrage: "Wie passiert es? Denkst du darüber nach?"

Olise: "Ich schieße, dann geht er rein – oder nicht."

Letzter Versuch: "Was macht dich glücklich? Was bringt dich zum Lachen?"

Keine Antwort.

Die allerletzte Patrone: "Tore schießen oder zu gewinnen?"

Olise: "Yeah!"

Ehe ein autistischer Verdacht aufkeimt: Im Team gilt Olise als kommunikativ.

Letzteres ist bei Jürgen Klopp garantiert. Am 24. September legt der neue Bundestrainer los. Da werden die Mikros rauchen.

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