Schmidtchen Streicher

Spätestens seit dem Europa-League-Finale ist der SC Freiburg bundesweit in aller Munde. So wie der 1. FC Heidenheim, als das Märchen von der Ostalb bis in die Conference League führte. Jetzt sucht Freiburgs Zwilling im Geiste in der Zweiten Liga nach seiner Rolle.

Die Sterne des Südwestens gleichen sich wie ein Haar dem anderen. Sie stehen für Werte, Nachhaltigkeit und Nähe zu den Fans. Und sind geprägt von Figuren, die keiner schnitzen kann.

Speziell die Kulttrainer: Christian Streich war an der Dreisam zwölf Jahre lang der Emotionsbolzen an der Seitenlinie, dazu ein Gesellschaftskritiker par excellence. Und an der Brenz geht Frank Schmidt in seine 20. Saison, was ihn nach Recherchen des SWR weltweit zum dienstältesten Coach macht.

Beide sind Fairnessverfechter, bringen einander nach Tagungen zum Bahnhof – und es wimmelt vor Parallelen. Beispiel Buch: Streich ließ schreiben ("Kleine Anekdoten"), Schmidt griff selbst zur Feder, im Tagebuchstil ("Unkaputtbar").

Klein-Christian verbrachte seine Kindheit im Gasthaus des Onkels, wo schon mal eine Pfanne durch die Küche flog. So lernte er früh, mit Stress umzugehen. Und Klein-Frank, "Fränkie" durfte keiner sagen, meldete mit elf Jahren seine Schulmannschaft auf eigene Faust bei "Jugend trainiert" an.

Als Spieler kannten sie kein Pardon. Die Zunge von SC-Sportdirektor Klemens Hartenbach musste genäht werden, nachdem sie Streichs Ellbogen näher kennengelernt hatte. Und Frank Schmidt räumte mal Namensvetter Roger Schmidt, zuletzt Trainer von Benfica Lissabon, derart rustikal ab, dass er auf die Bank knallte und dort die Holzspäne flogen.

Wen wundert's, dass der Beginn beider Trainerkarrieren von Hindernissen gesäumt war? Streich hielt erste Übungseinheiten in der Fußballschule auf dem Hartplatz ab, der am Wochenende als Parkplatz für die Bundesliga diente und mit Zigarettenkippen übersät war. Das Heidenheimer Stadion säumte anfangs ein Streichelzoo.

Hart, aber herzlich, so coachten sie ihre Teams nach oben. Unvergessen ist die Rambo-Szene von 2019, als der Frankfurter David Abraham Freiburgs Trainer an der Seitenlinie zu Boden rammte. Doch Streich machte weniger als Nichts daraus, vielmehr redete er mit dem Argentinier, bis beide wieder lachten. "Ich hätte ihn für stabiler gehalten", scherzte Abraham. An der Stelle fehlt die Parallele zu Schmidt, denn der Spieler, der das Urviech von der Alb aus den Schuhen haut, muss erst noch gefunden werden.

TV-Edel-Kommentator Wolff Fuss lobt das Freiburger Modell über den grünen Klee: "Seit Stocker und Finke haben sie einen roten Faden und hangeln sich daran entlang. Und alle, die dazu nicht in der Lage waren, sind vorzeitig gegangen." So wie Noah Atubolu. Das Torwarttalent aus dem Stadtteil Weingarten ließ sich von seinem "Boutique-Berater" aus Abu Dhabi den Kopf verdrehen und strebte (vergeblich) in die Premier League. Der Sport-Club reagierte furztrocken mit Mio Backhaus. So wie sie in Heidenheim Kevin Müller ausmusterten, als der zu laut hustete, Amerika könnte ein Thema sein.

"Schmidtchen Streicher" könnte bald Geschichte sein. Streich hat 2025 aufgehört, Schmidt absolviert gerade seine "mutmaßlich" letzte Saison. Doch "The next Generation" ist bereit. Beim SC hat Julian Schuster übernommen, der FCH hat Marc Schnatterer in Stellung gebracht. Intern sind sie "Schusti" und "Schnatti". Nach Autorität klingt das nicht. Aber auch so was geht in Freiburg und in Heidenheim.

 

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