Donny und Johnny

Die WM ist erst 43 Tage her. Haben Sie sich durchchecken lassen, ob Sie ausreichend erholt sind von der XXL-Reizüberflutung durch den Fußball? Wir sind weder Kane noch Olise, die nach vier Tagen Training gleich 90 Minuten Vollgas geben beim Supercup. Selbst deren Privatphysios könnten uns nicht helfen zu verdauen, was von dem Mammutturnier noch im Magen liegt.

Es gab Tiefgang und Momente fürs Herz: hart gesottene Fußballprofis, die auf dem Rasen mit Gegnern beteten und zeigten, dass auch Christen ihren Glauben nicht verstecken. Oder der Tod von Lionel Messis Vater, der den Überflieger vom Karriereende sprechen lässt.

Aber auch Hingucker fürs Auge – wie der Zweireiher von Hummels mit den abgeschnittenen Ärmeln, oder dass Haaland die Haare ab hat.

Der große Rest ist schwer verdauliche Kost.

Das dritte frühe WM-Aus der Nationalelf war für die Nation wie eine Nierenkolik. "Der Begriff Hilflosigkeit muss neu definiert werden", sagte Chefkritiker Sammer.

Dann schlug die Stunde des Reality-TV von Magenta: Am Expertentisch in den Stadien wurde Jürgen Klopp ins Amt des Bundestrainers gebabbelt. Und das Millionenpublikum daheim erkannte: Da wehrt sich einer nicht. Am tiefsten Tiefpunkt der Nationalelf hat "Kloppo" seinen Sehnsuchtsort erreicht. Auch ganz Deutschland will ihn dort haben.

Und nun: weiße Zähne, weiße Weste – alles wird gut?

Die einstige BVB- und Liverpool-Ikone ist nur ein Mensch mit Macken und Marotten. Aber Klopp ist auch bekennender Christ und zeigt das im Umgang mit Fehlern, die ihm prompt unterliefen.

So wie das N-Wort gleich beim Eröffnungsspiel: "Noch", sagte er, "stellt Nagelsmann die Nationalelf auf." Kein Mensch weiß, was ihn da geritten hat. "Einer der schlechteren Tage meines Lebens", gab Klopp wenig später zu. Und dass er bei der Vorstellung als Bundestrainer die ihm ausgesprochen gewogenen Medien in den Senkel stellte ("Wenn ihr meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg!"), hat er inzwischen als Missgeschick bedauert.

Doch seine Zustimmungswerte sind unerreicht, seit "Kaiser" Franz 1984 widerwillig Teamchef wurde. Klopp hat das, was Berti Vogts fehlte. "Wenn ich übers Wasser laufe", wusste der "Terrier", "sagen die Kritiker: Nicht mal schwimmen kann er."

Das Kontrastprogramm ist Gianni Infantino. Der Boss des Weltverbandes FIFA ist die unbeliebteste Figur im Fußball: ein Raffzahn, der den Hals nicht vollkriegen kann.

Für Donald Trump, seinen Bruder im Geiste, erfand er den FIFA-Friedenspreis als Ersatz für den Nobelpreis, den der US-Präsident beansprucht. Der wiederum nennt seinen Kumpel "Johnny" – die "America-first-Version" von Infantinos italienischem Vornamen Gianni. Und er sähe ihn gerne als neuen UN-Generalsekretär. "Dann gibt's Trinkpausen während der Kriege", spottet der "Postillion".

Mit dem Plan, Teile der WM an private Investoren zu verscherbeln, darunter der Bruder von Trumps Schwiegersohn, brachte das Fass zum Überlaufen. Die UEFA sowie die Verbände Amerikas und Asiens drohten mit Boykott und stoppten das skandalöse Vorhaben. Doch Infantino klebt an seinem Sessel wie eine Mischung aus Pech, Schwefel und Pattex.

Donny und sein Johnny sind Prototypen von Autokraten, die sich unseres Planeten bemächtigen wollen: borniert, korrupt und verlogen. Auch beim Wachstum ticken sie gleich: schön in die eigene Tasche. Dabei dachten wir nach der Wende, dass wir mit "Honni" das Gröbste hinter uns hätten. Ja, von wegen!

Zurück zum Blog