Der Sport im Würgegriff

Nur zur Erinnerung: Die Fußball-WM, die in drei Monaten beginnt, wurde am 13. Juni 2018 in Moskau vergeben – an die USA plus Mexiko und Kanada. Mitten in der ersten Trump-Administration.

Acht Jahre danach ist das Realsatire. Moskau, sprich Putin, mordet in der Ukraine. Und die Vereinigten Staaten räumen die Welt auf – mit Bomben. Auch wenn der Zweck wie aktuell im Iran die Mittel verteidigt.

Kaum zu glauben: Korruption spielte bei der Vergabe der WM 2026 keine Rolle. Doch als sich Trump kürzlich Grönland unter den Nagel reißen wollte, seine Brutalo-Eingreiftruppe ICE, die unter der Tarnkappe "Heimatschutz" antritt, Menschen auf offener Straße tötete und der Präsident mit Zöllen nur so um sich warf, ging das Boykottgerede los.

Angestoßen von Anna-Lena Baerbock, der grünen Präsidentin der UN-Vollversammlung, und Oke Göttlich dem (etwas anderen) Vereinsboss des FC St. Pauli. Im Namen der meisten Fußballer und Fans konterte Bayern-Patriarch Uli Hoeneß: "Das ist symbolpolitischer Blödsinn!"

Der Olympia-Boykott 1980 wegen des russischen Einmarsches in Afghanistan, die Retourkutsche 1984 in Los Angeles, das Erdogan-Foto vor der WM 2018 oder die unsägliche Debatte um die One-Love-Binde vier Jahre später in Katar: Wann kapiert der Letzte, dass der Sport nicht herhalten darf für das, was politisch schiefläuft?

In weniger als 100 Tagen beginnt die Fußball-WM. Und Trump, der Teheran zerbomben lässt und im Verbund mit Israel den obersten Mullah töten ließ, sagt: "Es ist mir egal, ob der Iran teilnimmt."

Das ist eher zynisch als honorig. Zumal er bei der Auslosung im Dezember dem iranischen Verbandspräsidenten ein Visum verweigerte.

Klar ist: Kriegsbeteiligung führt nicht automatisch zum Ausschluss von einer Fußball-WM. Darüber entscheidet im Einzelfall der Weltverband FIFA. Dessen Präsident Infantino gilt als Erfüllungsgehilfe von Trump. "They kiss my ash" – wie der US-Präsident gerne mal sagt. Der Ausgang einer etwaigen Abstimmung ist also vorhersehbar.

Doch das Thema sind längst nicht nur der Iran oder die USA. Co-Gastgeber Mexiko hat ein gewaltiges Drogenproblem. Mit Unterstützung der Amerikaner wurde dort der mächtige Drogenbaron "El Mencho" getötet, eine Polizeiaktion, die insgesamt 74 Personen das Leben kostete.

Und Co-Gastgeber Kanada kann die neue US-Zollpolitik leiden wie Migräne.

Überraschend ist Olympia bis jetzt nicht in den Fängen von Trump. Stattdessen sorgt das IOC selbst für Turbulenzen. Mittlerweile steht sogar eine winterliche Kerndisziplin wie die Nordische Kombination der Männer auf der Kippe. Dafür könnte es bald Eiscross, Snowvolleyball oder Telemarken geben. Letzteres ist eine kuriose Abfahrtsskitechnik. Eine weitere Überlegung ist, den Handball samt Volleyball von den Sommer- in die Winterspiele zu verfrachten. Warum auch immer.

Angesichts dessen feixt das Satire-Portal "Der Postillon": "Das IOC führt Olympische Frühlings- und Herbstspiele ein, mit spannenden Disziplinen wie Spargelstechen und Drachensteigen."

Doch das Olympia-Programm ist Zukunftsmusik. Aktuell müssen andere Kühe vom Eis. Besser gesagt: Ochsen und Stiere.

Ob der Iran-Krieg bis zum 11. Juni, dem Tag des WM-Eröffnungsspiels, beendet ist? Schwer zu sagen. Wohl eher nicht.

Stand jetzt soll der Iran in Los Angeles und Seattle gegen Belgien, Ägypten und Neuseeland antreten. Bis dahin ist noch eine Menge zu regeln. Mit einem indirekten Freistoß ist das nicht getan.

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