Von der Notlösung zum Shootingstar auf dem Weltmarkt der Fußballtrainer: Dafür benötigte Vincent Kompany nicht einmal zwei Jahre.
"Vincent, who...?", dachten viele, als Bayern-Frontmann Max Eberl im Sommer beim Versuch, den Kahn'schen Irrtum mit Tuchel zu korrigieren, acht Körbe kassierte, um dann einen belgischen Novizen aus dem Hut zu zaubern, der gerade mit dem FC Burnley aus der Premier League abgestiegen war.
Um Bayern-Trainer zu werden, braucht's eine Menge mehr. Das zeigt ein Blick in die Galerie derer, die an der Säbener Straße Geschichte geschrieben haben. Nicht nur mit Toren und Punkten.
Über allen schwebt Franz Beckenbauer: mit Charisma, Nonchalance und einem Schuss Widerwillen, weil er das ja nie wirklich wollte. "Ja, gut", pflegte der "Kaiser" zu sagen, "es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage."
Der Coach, der den FC Bayern in die Bundesliga führte und 1967 den ersten Europacup gewinnen half, hieß Zlatko Cajkovski. Weil er nur 1,64 m maß, wurde er Tschik genannt, was so viel heißt wie Zigarettenstummel. Aber er hatte eine große Klappe und wenig Respekt. Den "Bomber" der Nation nannte er "kleines, dickes Müller". Und zum jungen Beckenbauer sagte er: "Sie sind wie Strohhalm: unten nichts, Mitte nichts, oben nichts."
Udo Lattek war mit sechs Meisterschaften der Titelhamster. Der Ostpreuße galt als ehrlicher Analytiker. 2010 kreierte er den "Fußballspruch des Jahres" mit der Feststellung: "Im Kölner Stadion ist immer eine super Stimmung. Da stört eigentlich nur die Mannschaft."
Jupp Heynckes, Triple-Trainer 2013, ist ein enger Freund von Uli Hoeneß und hörte auf seinen Schäferhund. Als Cando am Telefon zweimal bellte, ging er ein viertes Mal nach München. Zuvor hatte Pep Guardiola die Bayern neu erfunden, sich aber dreimal im Champions-League-Halbfinale verzockt.
Louis van Gaal, den Tulpengeneral, jagte Hoeneß im Kampf der Alphatiere vom Hof. Was blieb, war der Evergreen: "Müller spielt immer."
In dieses Regal der Münchner Trainerlegenden gehört Kompany bereits jetzt. Mit einer Mischung aus Kompetenz, Charme und Empathie hat er den Verein von innen heraus gesundet und die Medien gezwungen, statt über den FC Hollywood wieder über Fußball zu berichten.
Selbst die Experten stehen Spalier. "Faszinierend, wie Bayern durch die Saison geht", schwärmt ZDF-Quassler Chris Kramer und hat den Chef der Kompanie im Blick: "Vincent gibt jedes einzelne Interview mit Respekt und Witz. Es ist herausragend, was dieser Mann auf allen Ebenen leistet."
Der Sohn des ersten schwarzen Bürgermeisters von Belgien spricht fünf Sprachen und trifft stets den richtigen Ton. Ausgerechnet beim Jahrhundertspiel in Paris war er zum Schweigen verdammt, weil er auf der Tribüne eine Gelbsperre abbrummen musste. Dafür zog die Weltpresse Höchstnoten am Fließband. Auf einer Skala von eins bis zehn gab's für das 4:5 bei PSG eine glatte Zwölf. "Bestes Champions-League-Spiel aller Zeiten", meint die "New York Times".
Selbst wenn's im Rückspiel am Mittwoch schiefgeht, wird Kompany nicht verbrennen wie Xabi Alonso im Haifischbecken von Real Madrid.
Und falls der Kompass von Kompany eines Tages in eine andere Richtung zeigt, muss den Bayern nicht bange sein. Dann kann Hoeneß den familiären Stellungsbefehl erteilen und seinen Neffen Sebastian aus Stuttgart holen. Der gehört am Wasen längst zu den goldenen Nasen.