Der A-Faktor

Direkt hinter Punkten und Toren rangiert im Sport das Generieren von Aufmerksamkeit. Nennen wir es A-Faktor.

Ein Großmeister dieser Disziplin ist Bob Hanning. Der streitbare Geist des deutschen Handballs gilt als schrillster Pullover der Republik. Mit seinen bunten Outfits ist der Geschäftsführer der Füchse Berlin eine permanente Herausforderung für sämtliche Kameraleute. Und wer leistet sich schon neben Pferderennen und Sportwetten das illustre Hobby, italienischer Nationalcoach zu sein?

Kürzlich bei der EM nutzte Hanning die Zeit zwischen Training und Essen für einen Post. Es ging um die Meisterschale, die seit Sommer die Geschäftsstelle am Gendarmenmarkt ziert. Jetzt nicht mehr. Sie fiel einem dreisten Diebstahl zum Opfer.

Doch der Täter hatte seine Rechnung ohne den Berliner Boss gemacht. Der hatte nämlich eine Kamera mit Spracherkennung installiert. Damit wurde der Einbrecher überführt. Die Trophäe hatte er schon zu einem silbernen Klumpen geschmolzen. So blieb dem schlauen Fuchs Hanning nur die Schadenfreude: "Er war absoluter Profi, aber er hätte sich nicht an unserer Schale vergreifen und so viel sprechen dürfen..."

Apropos Einbruch: Noch ehe Niclas Füllkrug für seinen neuen Club AC Mailand ins Schwarze traf, wurde auch er bestohlen. Diebe entwendeten aus seinem Hotelzimmer Uhren und Schmuck im Wert von 500.000 Euro.

Was "Fülle" in Italien noch fehlt, ist die Popularität, die Rudi Völler einst in Rom genoss. Als sein Mercedes geklaut wurde, ging das tagelang durch die Medien. Der Dieb, ein Fan der "Roma", brachte die Karre reumütig zurück, frisch poliert dazu. Er hinterließ einen Zettel mit der Aufschrift: "Scusi, Rudi".

Über mangelnde Aufmerksamkeit kann auch Sascha Zverev bei den Australian Open nicht klagen. Während des On-Court-Interviews mit Andrea Petkovic erhielt unser bester Tennisspieler aus dem Publikum einen Heiratsantrag. "Sascha, merry me!", stand auf einem Schild. Die Offerte kam von einem Mann.

Zverev fehlt ein Stück zu den ganz Großen. Als der legendäre Jimmy Connors einst in Wimbledon zum Aufschlag ausholte, kreischte eine Verehrerin von den Rängen: "I love you!" Worauf sich "Jimbo" umdrehte und antwortete: "After the Match, Baby..."

Bei Bayern ist es auch mit der Aufmerksamkeit anders als bei anderen. Sie ist Dauerzustand, oft im Überfluss. Selbst wegen der ersten Saisonniederlage gegen Augsburg. Die Zahlen bleiben erdrückend: 19 Spiele, 72 Tore, 50 Punkte. Nach alter Rechnung 36:4. Das gab's nie.

Weil das entlang der Ideallinie verläuft, bleibt der FC Hollywood samt dem Stoff für den Boulevard auf der Strecke. Die Bosse lieben das.

Im beschaulichen Hoffenheim hat sich die TSG vom Abstiegskandidaten zum Anwärter auf einen Champions-League-Platz gemausert. Wie das geht? Böswillige Zungen würden sagen: mit Vetternwirtschaft. Die positive Interpretation lautet: "Gute Freunde kann niemand trennen", wie einst der "Kaiser" sang.

Der österreichische Sportgeschäftsführer Andreas Schicker hat seinen Ösi-Spezl Chris Ilzer als Trainer installiert. Auf dessen Stirn stand schon "Auslaufmodell", doch in der Sommerpause wurde ausgemistet. 20 Abgänge, zehn Neue. Und jeder stach.

Der Coach setzt auf Haltung und Invest. Und hat stets groß gedacht. Schon als 5-Jähriger kündigte Klein-Ilzer an, die Streif in Kitzbühel zu gewinnen. Jetzt ist er als Bundesliga-Coach in aller Munde. Eine steile Karriere für einen, der fast Apfelbauer geworden wäre wie sein Großvater. Und jede Menge A-Faktor.

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