Beim torlosen Bundesliga-Gipfel Bayer gegen Bayern nahm sich der Pay-TV-Sender Sky kürzlich selbst unter die Lupe. Die Preisfrage lautete: Wie oft fallen während der Übertragung samt Interviews und Analysen die Namen derer, die in aller Munde sind: Florian Wirtz und Jamal Musiala?
Wenigstens in dieser Wertung lag Leverkusen vorne: Wirtz siegte 91:79. Doch die neue Zauberformel des Fußballs ist eine Kombination aus beiden Ballzauberern.
Wusiala.
Und genau davon träumt Bayern-Patron Uli Hoeneß – laut und ungeniert, wie er ist. Mit Wirtz an der Seite von Musiala, der an der Säbener Straße gerade bis 2030 verlängert und dafür den teuersten Vertrag der Bundesliga-Geschichte erhalten hat, wären seine Münchner künftig genauso unschlagbar wie einst mit der legendären Flügelzange Robbéry – bestehend aus Robben und Ribéry.
Mitten hinein in dieses bajuwarische Wunschkonzert grätschte der frühere Bayern-Verteidiger Nico Kovac mit seiner Aussage: „Irgendwo gehört auch Julian Brandt in diese Range.“
Treppenwitz
Moment mal: Befindet sich Dortmunds formschwankender Spielmacher in Reichweite zu den Hochbegabtesten des deutschen Fußballs seit „Kaiser“ Franz? Das taugt allenfalls zum Treppenwitz.
In der aktuellen Schieflage des BVB gehört Schönreden zwar zur Kernkompetenz. Gleichwohl spaltet der neue Trainer mit seiner Brandt-Rede. Lothar Matthäus nennt Dortmunds „Zehner“ selbst im besten Fußballeralter von 28 Jahren noch immer ein Talent. Und Didi Hamann, der Trash-Talker unter den Experten, stempelt den Edeltechniker gar zum Verkaufskandidaten ab: „Das wäre für alle Parteien das Beste.“
Wie auch immer: Das mit der Range ist so eine Sache. Fragen Sie Sascha Zverev. Der beste deutsche Tennisspieler seit Boris Becker bewegt sich längst in Reichweite der Nummer 1 im Ranking.
Dort wird nach den Rücktritten von Federer und Nadal das Fell der Bären gerade verteilt, noch ehe mit Novak Djokovic der letzte von der Bühne verschwunden ist.
Zverev ist die Nummer zwei der Welt und könnte schon auf dem Thron sitzen, obwohl er noch kein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat. Gäbe es Jannik Sinner nicht.
Baumann als Kabarettist
In Melbourne schnappte der Südtiroler dem Hamburger den Speck vom Teller und spielt ein Klasse-Tennis. Wenn da nicht diese Doping-Geschichte wäre. Sinner wurde positiv getestet. Vor einem Jahr. Wie alle, beteuert er seine Unschuld und spielt immer noch – anders als Simona Halep, die wüst rasiert wurde.
Opfer oder Täter? Die Frage ist so alt wie der Fall Dieter Baumann. Vor 25 Jahren wurde der schwäbische Musterläufer und Anti-Doping-Kämpfer gesperrt. Fahnder fanden Spuren eines verbotenen Mittels in zwei seiner Zahnpasta-Tuben, der „Spiegel“ vermutete frühere DDR-Kräfte am Werk, Baumann tritt heute als Kabarettist auf und witzelt: „Die Wirkung von Zähneputzen ist kolossal!“
Bei Sinner soll der Physio eine Wunde an seinem Finger mit einer Substanz behandelt haben, die auf der Liste steht, und sie dann bei der Arbeit in den Körper des Tennisspielers massiert haben.
Die Frage ist immer die gleiche: glaubhaft oder nicht? Bislang hat darüber stets der Internationale Sportgerichtshof CAS entschieden.
Im Fall Sinner aber gibt es kein Urteil. Stattdessen legt der Italiener quasi freiwillig eine dreimonatige Auszeit ein, die perfekt in den Turnierkalender passt – und gut ist.
Deals wie dieser stoßen sauer auf und stinken nach Donald Trump. Auch wenn der US-Präsident beim Tennis seine Finger nicht im Spiel hat.