In der Fußball-Bundesliga läuft das letzte Viertel der Saison, und ab Platz zwölf abwärts geht allen Klubs die Düse: akuter Abstiegskampf.
Die KI vergleicht Abstiegskampf mit Liebeskummer – ein emotionaler Ausnahmezustand, geprägt von Frustration und Unsicherheit.
Kurz: nichts für Weicheier.
Der Nebel, der sich über das Gemüt der Betroffenen legt, kann zu Irrungen und Verwirrungen führen. "Wir müssen jetzt die Köpfe hochkrempeln und die Ärmel auch", sagte einst Lukas Podolski. Der Kult-Kölner weiß, wovon er spricht. Er war an zwei von sechs Abstiegen beteiligt, die seinen Effzeh in diesem Jahrhundert ereilten.
Im Abstiegskampf gilt der Trainerwechsel als probates Mittel der Wahl. Deshalb wundert sich Lukas Kwasniok, der aktuelle Kölner Coach, dass er seinen Job überhaupt noch hat. Obwohl der Aufsteiger bislang ständig überm Strich stand, wird er umweht von Ultimaten, von denen keiner so richtig weiß, woher sie kommen: von der Klubführung oder von den Medien? Im Zweifel von beiden.
Kwasnioks Problem: Der VAR ist nicht sein Freund und Said El Mala sein Schicksal. Die beiden haben einen Zielkonflikt. Während die Torrakete zur WM will und dafür dringend Spielzeit benötigt, betrachtet ihn sein Übungsleiter eher als idealen Joker.
In Mainz hat der Tapetenwechsel in der Trainerkabine Wunder bewirkt. Nachdem "Danish Dynamite" Bo Henriksen nicht mehr zündete, war sein Gegenentwurf, der hyperbedächtige Schweizer Urs Fischer, genau das Richtige. Der FSV steuert eindeutig auf Kurs Klassenerhalt.
Beim VfL Wolfsburg sieht es komplett anders aus. Die Autostadt ist seit vielen Jahren ein Trainergrab: Niko Kovač bekam kein Bein auf den Boden, ähnlich wie der nicht weniger gestandene Ralph Hasenhüttl. Und der unbekannte Belgier Paul Simonis, der zu Saisonbeginn übernahm, kam nicht über ein Hotelzimmer hinaus.
Es folgte Daniel Bauer aus den eigenen Reihen. Doch für den korrektesten Haarschnitt aller Bundesligatrainer konnten sich die "Wölfe" nichts kaufen, sie stürzten auf Platz 17. Sportdirektor Pirmin Schwegler, selbst ein Wackelkandidat, hat zum zweiten Mal die Pferde gewechselt. Nun soll es ein alter Bekannter richten: Dieter Hecking, ein harter Hund mit Herz.
Im weitesten Sinne gilt das auch für Frank Schmidt. Der Kulttrainer des 1. FC Heidenheim ist sagenhafte achtzehneinhalb Jahre im Amt. Und er ist in seiner Karriere noch nie abgestiegen. Schmidt gilt als Möglichmacher, einer, der anfängt, wo andere aufhören. Weil sein Sportlehrer keine Lust darauf hatte, meldete er als Elfjähriger seine Schule auf eigene Faust beim Oberschulamt für "Jugend trainiert für Olympia" an. Und in der C-Jugend gewann er mit seinem Team an einem Nachmittag zwei Hallenturniere gleichzeitig.
Schmidt ist vieles, aber vorzugsweise eines: eine ehrliche Haut. Deshalb hat der Coach des abgeschlagenen Schlusslichtes das Märchen von der schwäbischen Kleinstadt in der Bundesliga für beendet erklärt: "Wir wollen keinen verarschen", sagte er an die Adresse der Fans.
Bei Werder Bremen (mit dem neuen Coach Daniel Thioune) und beim FC St. Pauli, der an Alexander Blessin festhält, stirbt die Hoffnung zuletzt. Für Didi Hamann, den Buhmann unter Deutschlands Fußballexperten, hat sie einen Namen: "Felix Magath", sagt er, "ist die letzte Patrone." Der "Quälix" des deutschen Fußballs bringt sich mit 71 Jahren überall selbst ins Gespräch, wie ernst auch immer er das meint.
Doch seine Nummer ist für die Klubchefs tabu. Lieber würden sie die 110 wählen.