Taktik mit Bierdosen

Taktik mit Bierdosen

Der Sport schreibt mitunter spannende Geschichten. Kaum einer weiß das besser als Thomas Kastler. 27 Jahre lang war er Ressortleiter Sport der Mittelbadischen Presse; seit 2011 arbeitet er als freier Journalist und Autor und beobachtet bis heute als ebenso kundiger wie gewitzter Kolumnist das Sportgeschehen in Deutschland und der Welt. Dabei ging es ihm nie nur um „1:0-Berichterstattung“: Er hatte stets auch ein waches Auge für die Geschichten hinter den Geschichten.

Oft hautnah dabei

Viele hat er hautnah miterlebt. Und die spannendsten hat er aufgeschrieben und 2024 unter dem Titel „Blut am Saxophon“ veröffentlicht. Viele Sportstars kennt er persönlich. Und so bekam Kastler Einblicke, die anderen vielleicht verborgen blieben.

Auch mit Helmut Hilzinger verbindet ihn einiges. Der Willstätter Unternehmer, der aus seinem Betrieb einen der Branchenführer in Sachen Fenster- und Türenbau in Deutschland gemacht hat, ist einer der Sponsoren des Buchprojekts. Zudem war er selbst Handballer und gehörte später mit Günter Geiser, Hans Cleiß und Rainer Lusch zu den „vier Musketieren“, die die Handballer des TV Willstätt 1999 in die 1. Bundesliga führten. Viele Gespräche hatte Kastler im Zusammenhang mit dem Buch-Sponsoring mit Hilzinger geführt – und dabei war auch die Idee für den Handball-Talk geboren worden, der am Dienstag im Fenster- und Türen-Center des Unternehmens in Sand über die Bühne ging.

Taktik mit Bierflaschen

Natürlich war Rainer Lusch einer der Protagonisten des vom früheren Kehler OB Toni Vetrano moderierten Abends. Und natürlich plauderte auch Lusch aus dem Nähkästchen. Etwa darüber, wie der TVW das Husarenstück Bundesliga-Aufstieg stemmte. Er erinnerte sich an Workshops der Führungsriege, wo man Ziele definierte. Da habe er die Erfahrung gemacht, dass es eben manchmal nicht nur von der Qualität der Spieler abhängt, ob man seine „Endstation Sehnsucht“ erreicht, sondern dass man auch mal den Mut haben muss, groß zu denken. Dies könne Kräfte freisetzen, die man vielleicht nie mobilisieren könnte, wenn man sich immer nur kurzfristige Ziele setzt.

Natürlich weiß auch Lusch, dass sich der Handballsport seitdem wesentlich verändert hat. Für einen Verein wie den TV Willstätt wäre es heute fast unmöglich, so ein Aufstiegs-Märchen wie damals zu schreiben. Umso wichtiger sei die Nachwuchsarbeit. Von Bob Hanning, einer anderen Handball-Legende, der auch in der Ortenau seine Spuren hinterlassen hat, habe er gelernt: „Die besten Leute, die ihr habt, müsst ihr in die Jugendarbeit stecken.“

„Rustikale Pädagogik“

Zu Gast in Sand war auch Arno Ehret, einer aus dem legendären Weltmeister-Team von 1978. Er erzählte unter anderem die Geschichte, wie Wolfgang Böhme, ein Spieler des Teams der DDR, das damals im selben Hotel wie das DHB-Team untergebracht war, sich am Vorabend des Finales heimlich mit ein paar Flaschen Bier ins Zimmer von Heiner Brand und Kurt Klühspieß schlich und wie die drei mit Hilfe der leer getrunkenen Bierflaschen schließlich die Taktik austüftelten, mit der das DHB-Team die UdSSR besiegte. Auch die „rustikale Pädagogik“ des damaligen Bundestrainers Vlado Stenzel kam zur Sprache – und was diese Art der Menschenführung mit den Spielern macht.

Realistisch bleiben

Armin Emrich, Ex-Spieler und Bundestrainer der Herren wie auch der Frauen, erzählte launig, wie er bei Olympia 1996 in Atlanta die schweizerische Tennis-Ikone Martina Hingis kennenlernte – indem er sie fragte, was sie denn für eine Sportart betreibt… Und Martin Heuberger, der als Trainer vor allem mit den Junioren-Teams des DHB große Erfolge feierte, beschrieb, wie er seine Teams zusammenstellte – und dass es dabei mindestens genauso wie auf die technische Qualität auch auf Charakter und Mentalität eines Spielers ankomme: „Jeder muss sich mit seiner Rolle identifizieren.“

Mehr Medienpräsenz

Zum Schluss lenkte Toni Vetrano den Blick auf die Weltmeisterschaft 2027, die in Deutschland stattfindet. Das sei eine Riesen-Chance, meinte Armin Emrich – auch angesichts der vielen Zuschauer etwa beim Final-Four-Turnier um den DHB-Pokal. Aber er mahnte auch Thomas Kastlers Presse-Kollegen, an das DHB-Team keine übertriebenen Ansprüche zu stellen. Und Rainer Lusch äußerte die Hoffnung, dass sich mit dem Turnier auch die Medienpräsenz des Handballs in Deutschland nachhaltig verbessert.

 

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